Der tote Winkel
Dieser ist bekannt.
Dauernd wird behauptet, er existiere dank Spiegel und Technik nicht mehr. Man regt sich auf, wenn vor Demonstrationen, das eine ganze Schulklasse reinpaßt, Spiegel abgeklebt werden.
Eines erwähnen dieselben Herrschaften nie, „vergessen“ es einfach: Die Zeit, welche im Straßenverkehr nunmal nicht still steht, weshalb sich die Szenerie ohne Unterlaß ändert. In Diskussionen geht man über Hinweise auf diese einfache Tatsache schweigend hinweg.
Das Spiegelkabinette überhaupt tauglich sind, glaube ich erst mit geeigneten Untersuchungen realer Bedingungen. Es mag zwar sein, daß die Spiegel jeden Winkel ausleuchten und für unbewegte Situationen super sind, aber was nützt das,
- wenn infragekommende Objekte winzig sind, bei konkaven Spiegel auch verzerrt,
- völlig unterschiedlich aussehen und bewegen, und daher erstmal gesucht werden müßten,
- durch Bewegung, auch des Lkw, zwischen den Spiegeln hin- und her springen,
- der Fahrer auch noch selbst in alle Richtungen gleichzeitig sehen muß,
- bei völlig unterschiedlichen Außenbedingungen,
- und alles zusammen zu jedem Zeitpunkt bei
- durch den Abstand der Spiegel zum Fahrer deren nötige Anvisierung zeitlichen Unterbrechnungen
- und Dauer der Bewertung des Sichtbaren.
Ich wüßte schon gar nicht, wie man auch nur 3 dieser Punkte für Laborbedingungen nachvollziehbar erklären sollte, habe auch nichts gefunden, wo das auch nur versucht worden wäre. Das einzige, was ich sehe, dafür aber ständig, ist
- Leuchtet alles aus.
Das ist mir deutlich zu wenig. Schon die Tatsache, das man zu einem Zeitpunkt nur in einen einzigen der 4, 5, 6 Spiegel hineinsehen kann, wird stets verschwiegen. Zwar habe ich mich mit dem Thema nicht befaßt, würde aber erwarten, das die Toten-Winkel-Leugner groß mit entsprechenden Erfolgsuntersuchungen wedeln, gäbe es sie. Eher nährt sich ein Verdacht, das bewußt Begriffsverwirrung betrieben wird im Sinne ADFC'scher Überlebenstechnik, ums Wegelchen zu retten.
Dasselbe gilt auch für Kameras und ihre Bildschirme. Auch dort geht der Abbildungsmaßstab kaum über eine Postkarte hinaus, auch auf dem Bildschirm kann man nur ein Bild zur Zeit betrachten. Vielmehr wäre noch damit zu rechnen, das der Fahrer nun zwischen Direktsicht, Spiegel und Bildschirm wechseln muß. So können Kameras nur beim Rangieren nützlich sein, was man im fließenden Verkehr aber unterläßt.
Dem entsprechend erweisen sich Spiegelkabinette und Kameras als Wirkungslos, wer hätte das auch ahnen können.
Niederlande: Verkehrsminister will Tote-Winkel-Unfälle mit neuen Maßnahmen zurückdrängen
Niederländischer Forschungsbericht: Der Tote-Winkel-Spiegel hilft nicht, weil er nicht genutzt wird
Über „Rechts abbiegende Lkw und Radfahrer. Feldversuche zum Blickverhalten von Lkw-Fahrern.“
In den also doch vorhandenen toten Winkel werden Radfahrer auf Radwegen geführt, bzw. er beim warten um sie heraum aufgebaut… Da der Systemfehler „Radweg“ nicht erwähnt werden darf, besteht weiter Handlungsbedarf, also soll der Fahrer einen weiteren Spiegel beachten, den draußen angebrachten, womöglich noch in Mini-Variante, der weder auf den Fahrer eingestellt ist, noch überhaupt lang genug den wichtigen Bereich ausleuchtet, denn der Lkw bewegt sich ja. Welchen Bereich jeder seiner Spiegel ausleuchtet, lernt der Fahrer mit der Zeit, es ist stets derselbe. Das ist bei fest montierten Spiegeln ausgeschlossen. Und wie sieht es mit deren Abbildungsmaßstäben aus?